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Ist Kuhmilch ungesund?

Manche Menschen vertragen Laktose und andere wiederum nicht. Wenn Sie zu letzterem Personenkreis zählen sollten, müssen Sie lediglich den Verzehr von Milchprodukten einschränken oder ganz darauf verzichten (je nach Schwere ihrer Unverträglichkeit), und Sie werden keine Beschwerden mehr haben. Doch auch wenn Sie keine Probleme mit der Verdauung von Milch und Milchprodukten haben sollten, ist es möglich, dass Sie zu der Annahme verleitet wurden, ihr Verzehr könne schlecht oder gar ungesund sein. Zu dieser Befürchtung besteht kein Anlass. Handelt es sich dann um ein unerlässliches Nahrungsmittel? Nein, das auch nicht. Milch ist jedoch ein biologisch vollwertiges Nahrungsmittel, das sich sehr gut für den menschlichen Verzehr eignet.

Die Fähigkeit, Milch zu verdauen, ist keine Selbstverständlichkeit. Tatsächlich verfügen weltweit drei Viertel der Erwachsenen nicht über das Enzym Laktase, welches die Verdauung des Milchzuckers (Laktose) ermöglicht. Alle Säugetiere, einschließlich des Menschen, werden mit dem Enzym Laktase geboren. Es wird von den Zellen des Dünndarms produziert, in dem die Laktoseverdauung stattfindet. Die Laktose ist der Zucker, den man in der Milch sowie in kleineren oder größeren Mengen in allen Milchprodukten vorfindet. Für gewöhnlich stellt der Körper nach Beendigung der Stillzeit die Laktaseproduktion ein, weshalb die Verdauung von Laktose ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich ist. Wenn es dazu kommt und dennoch ein Milchprodukt verzehrt wird, wird die Laktose nicht verdaut, sondern von unseren Darmbakterien fermentiert, was zu Flatulenz, Durchfall, Blähungen, Übelkeit usw. führt. Die Laktoseunverträglichkeit ist somit keine Erkrankung und schon gar keine „Milchallergie” (das Immunsystem ist nicht an dem Prozess beteiligt).

Obwohl es überraschend erscheinen mag, stellt die Laktoseintoleranz in den meisten Teilen der Welt nicht die Ausnahme, sondern die Regel dar. 75% der Weltbevölkerung sind von diesem Phänomen betroffen, obgleich selbiges nicht gleichmäßig gestreut ist, sondern je nach Region und Ethnie unterschiedlich stark auftritt.

Es wird geschätzt, dass über 90% der asiatischen Bevölkerung laktoseintolerant sind; dasselbe gilt für 75% der Afroamerikaner. Diese Situation setzt sich auch in tropischen und subtropischen Ländern fort. Allerdings fiel dieser Prozentsatz unter unseren europäischen Vorfahren deutlich geringer aus. In Europa produziert der überwiegende Teil der Bevölkerung während seines gesamten Erwachsenenlebens, also über das bloße Kleinkindalter hinaus, weiterhin das Enzym. Dieser Umstand lässt sich auf eine Mutation des Laktase-Gens zurückführen. Die geografischen Unterschiede sind kein Zufall, sondern das Ergebnis des Evolutionsprozesses der verschiedenen menschlichen Bevölkerungen, das vor allem durch das Klima der jeweiligen Region, in der sich diese Populationen angesiedelt haben, beeinflusst wird.

Dieser genetische Unterschied – der es den Europäern ermöglicht, über die Kindheit hinaus Milch zu trinken (die sogenannte Laktasepersistenz) – entstand in der Jungsteinzeit zeitgleich mit dem Auftreten der ersten Bevölkerungsgruppen, die sich der Viehzucht widmeten. Jüngste Studien haben ergeben, dass die genetische Veränderung, die den ersten Europäern den Milchverzehr ohne nachfolgende Beschwerden erlaubte, vor etwa 7.500 Jahren in einer Gegend ereignet hat, die sich im heutigen Nordwesten von Ungarn und Südwesten der Slowakei befindet. Den Antrieb dieser genetischen Selektion stellte das Bedürfnis der ersten Viehzuchtgemeinschaften – die sesshaft wurden und keine reinen Jäger und Sammler mehr waren – nach einem reichlich vorhandenen Nahrungsmittel dar.

Die derzeit allgemein anerkannte These ist, dass das Überleben unserer europäischen Vorfahren aufgrund der damaligen Schwierigkeiten des Ackerbaus nur durch den

Verzehr von tierischen Erzeugnissen gesichert war – also Fleisch, Milch und Eier (vor allem von Milch und Eiern, da man dazu keine Tiere töten muss). Milch wurde für die Bevölkerung der Jungsteinzeit schon bald zu einem relativ konstanten Nahrungsmittel, das nicht nur reich an Eiweiß war, sondern auch eine geringere Kontamination als Wasser aufwies. Für Menschen mit Laktoseunverträglichkeit (die eigentlich der „Normalfall” waren) sah es gar nicht gut aus, sie waren zum Sterben verurteilt. Diejenigen, die jedoch das mutierte Laktase-Gen aufwiesen, konnten sich ihr ganzes Leben lang von Milch ernähren. Ihre Ernährung war auch dann gewährleistet, wenn die Ernte ganz ausfiel, weshalb sie trotz der schweren Lebensumstände überleben und sich fortpflanzen konnten. Die Kinder dieser Überlebenden hatten auch das mutierte Gen und konnten ebenfalls überleben, und so wiederholte sich der Vorgang Generation für Generation. Auf diese Weise stellte ihr Organismus weiterhin die zur Verdauung erforderliche Laktase her. Es ist nicht schwer vorstellbar, dass so durch die bloße natürliche Selektion über einen Zeitraum von Hunderten oder Tausenden von Jahren die gesamte Bevölkerung dieser Regionen nur noch aus Menschen mit dem mutierten Gen und somit mit Laktosetoleranz bestand. Es fing mit einigen wenigen an, doch diese wenigen überlebten Generation für Generation während diejenigen, die Laktose nicht vertrugen, (in den genannten Regionen) evolutionsbedingt ausstarben.

Was Spanien anbelangt, so haben jüngste Untersuchungen gezeigt, dass der Prozentsatz laktosetoleranter Menschen in unserem Land (66- 85%) unter dem unserer nordischen Nachbarländer liegt, jedoch über dem der restlichen mediterranen Länder. Dies mag daran liegen, dass einst Kulturen aus Mitteleuropa die Iberische Halbinsel besiedelten, deren Ernährungsgrundlage insbesondere die Viehzucht darstellte.

Außer Frage steht jedoch die wesentliche Bedeutung der Aufnahme von Kalzium, welches insbesondere zur Mineralisation der Knochen benötigt wird. 99% des Kalziums in unserem Körper befinden sich in unserem Knochengewebe, während das restliche 1% für die Übertragung von Nervenimpulsen und für die Herztätigkeit unerlässlich ist. Darüber hinaus senkt Kalzium das Risiko von Osteoporose und Darmkrebs. Zwar gibt es einige wenige Studien, die oft und gerne auf Websites über Veganismus zitiert werden und darauf verweisen, dass der Genuss von Milch zur Prävention von Osteoporose eine andere Wirkung haben kann als die, die von der herkömmlichen Medizin angepriesen wird. Allerdings gibt es auch zahlreiche Studien, die das Gegenteil belegen, und aktuell befürworten die größten internationalen Gesundheitsorganisationen eine kontrollierte Versorgung mit Kalzium und Vitamin D zur Vorbeugung von Osteoporose.

Wie viel Kalzium sollte man als Erwachsener demnach zu sich nehmen? In Spanien liegt die empfohlene Menge bei 800 Milligramm pro Tag. Das entspricht zwei Gläsern Milch. Und wenn man Laktose nicht verträgt, wie die meisten Afrikaner, Asiaten und nativen Amerikaner? Dann sollte man laktosefreie Milchprodukte zu sich zu nehmen.

Dr. Jorge Juan Prieto Cueto – Abteilung für Histologie und Anatomie Universität Miguel Hernández Medizinische Fakultät

 

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